Auf dem Bus sind zwei Solarmodule montiert. Unter besten Bedingungen liefert das grosse Solarmodul 75 Watt und das kleine Solarmodul 50 Watt. Die Leistung eines Moduls ergibt sich aus der Nennspannung multipliziert mit dem Nennstrom. Die Nennspannung gängiger Solarmodule für eine 12 Volt Anlage liegt in der Regel bei 17 Volt. Der Nennstrom, also der unter günstigsten Bedingungen produzierte Strom, beträgt bei den beiden montierten Zellen 4,41 Ampere und 2,94 Ampere bei 25 Grad Celsius.
Und jetzt kommt die nüchterne Warheit. Sind die Zellen der vollen Sonneneinstrahlung ausgesetzt, werden sie heiss und die abgegebene Leistung sinkt. Bedeutender aber ist, dass nicht die vollen 17 Volt an die Batterie angeschlossen werden können. Dazu braucht man einen Laderegler, der die an die Batterie abgegebene Spannung auf die sogenannte Ladeschlusspannung begrenzt. Bei Gelbatterien liegt die Ladeschlusspannung bei 14,1 Volt, also etwas höher als bei Bleisäurebatterien. Unteranderem deshalb habe ich Gelbatterien gewählt. Aus den gedacht montierten 125 Watt sind also nur noch etwa 104 Watt geworden :-(
Folgende Verbraucher werden über die Solaranlage betrieben:
| Gerät | Verbrauch | Tagesleistung |
| Kühlbox | 6,8 A * 12 V * 24 h * 16% (16% ist die angegebene stündliche Kompressorlaufzeit bei 32 Grad Celsius Aussentemperatur) | 313 Watt |
| Licht | 1 A * 12 V * 1 h | 12 Watt |
| Kaffemühle | 7,5 A * 12 V * 0,05 h | 4,5 Watt |
| Akkuladegerät | 0,8 A * 12 V * 3h * 4 / 7 (4 AA-Akkus pro Woche, die bei einem Ladestrom von 800 Milliampere in drei Stunden geladen werden) | 17 Watt |
| Laptop | 7,5 A * 12 V * 0,5 h | 45 Watt |
In Summe also ein Tagesverbrauch von etwa 392 Wattstunden. Ich gehe davon aus, dass die Solarmodule an Sommertagen im Mittel 4 Stunden die oben genannte Leistung von 104 Watt, also eine Tagesleistung von 416 Wattstunden, erbringen. Zusätzlich habe ich die Kühlbox mit Styropor ummantelt und mit Holz verkeidet. Das sollte auch noch mal eine Verringerung des Tagesverbrauches bringen. (Wie kann man auch eine Kühlbox mit dunkelgrauen Kunststoffteilen bauen? Die heizen sich doch auf! Und dies ist sicher nicht wegen der besseren Sichtbarkeit der Kühlbox in verschneiten Polargebieten gemacht worden :-) Man darf aber auch nicht vergessen, dass das Runterkühlen von Dingen, die man warm in die Kühlbox legt, auch Energie verbraucht. Vielleicht genau so viel Energie, wie die zusätzliche Isolierung gebracht hat.
Und an Regentagen? 392 Wattstunden Tagesverbrauch entsprechen bei 12 Volt etwa 33 Amperestunden pro Tag. Gelbatterien können zwar Tiefentladen werden, aber ich denke nach zwei Tagen sind die Batterien leergelutscht. Auf der anderen Seite kommt an Regentagen auch noch ein bischen Leistung in die Batterien. Und es ist nicht so warm, so dass die Kühlbox nicht so viel Leistung verbraucht. Und im dümmsten Fall bleibt das Laptop eben aus und man macht sich aus dem gesamten Inhalt der Kühlbox eine richtig gute warme Mahlzeit :-)
Da also die Planung der Anlage auf theoratischen Annahmen basiert, die Ladeschusspannung vom Regler vielleicht doch überschritten wird, oder die Tagesleistungsproduktion der Module mit 4 Stunden falsch angenommen wurde, werde ich auf jeden Fall hier berichten, wie sich die Solaranlage bewährt hat.
Fazit:
Die Berechnung der Solaranlage war praktisch richtig. Innerhalb von 18 Monaten gab es zwei Mal eine Lastabschaltung an der Kühlschrankbatterie (starke Bewölkung und sehr heiss, da mussten schon einige Bier am Tag gekühlt werden :-). Dann wurde einfach auf die zweite Solarbatterie umgeschaltet und der Kühlschrankbetrieb ging weiter.
Ein grösseres Problem waren die Solarladeregler selbst. Die Lastabschaltung wurde nicht automatisch zurückgesetzt und der kleinere Regler ist nach etwa 18 Monaten durchgebrannt. Aber das Laden der Batterien funktionierte immer noch, deshalb wurde einfach die Lastabschaltung stillgelegt, womit dann allerdings der Tiefentladeschutz der Batterie auch nicht mehr funktionierte.
Dennoch war ich mit den Solarladereglern von IVT sehr zufrieden. Das robuste Reglergehäuse kann geöffnet werden und prinzipiell können alle Teile der solide gelöteten Platine ausgetauscht werden. Dies ist bei vielen "eingegossenen" Reglern nicht möglich. Besonders hervorzuheben ist aber auch der Kundenservice von IVT-Hirschau. E-Mails werden sofort beantwortet, das Telefon ist besetzt und die Beratung ist kompetent und schnell. Ich habe sogar nach Ablauf der Garantie aus Kulanz einen neuen Regler bekommen. Das nenne ich einen erwähnenswerten Service.
Die Aufteilung auf zwei Batterien, zwei Solarzellen und zwei Regler hat sich in der Praxis als sehr gut erwiesen. Treten Probleme auf, kann man immer noch ein bischen basteln, denn meisstens gehen nicht alle Teile auf einmal kaputt.